Roland Berger

Zu den Arbeiten Roland Bergers – Skulpturen

Zum Erleben von Skulpturen gehört – ungeachtet des Grades der gedanklichen Abstraktin von Malerei und seiner technischen Bewältigung – der Rückschluß auf die realen Gewichts- und Kräfteverhältnisse. Stärker als bei anderen künstlerischen Gattungen bestimmen hier die primären Eigenschaften des Materials den Gestaltungsakt, wird das Ausdruckspotenzial vornehmlich in der Auseinandersetzung mit einer schwer formbaren Materie aktiviert. Das physisch-manuelle und künstlerisch-ästhetische Moment greifen hier eng ineinander.

Die Veranschaulichung einer dem „Stoff“ selbst innewohnenden Thematik kann von anderen thematischen Interessen verdeckt und überlagert, aber nie ganz verdrängt werden. Sie verbindet sich mit Vorstellungen von Körperlichkeit und Bewegung zum spannungsvollen Konflikt, der vielfach als existentielles Gleichnis gedeutet wurde und die Bildhauerei nach wie vor beschäftigt. Gerade die neuere österreichische Plastik ist bekannt und geschätzt dafür, dass sie dem Gegensatz zwischen Verblockung und Verblendung auf besonders subtile Weise nachgespürt hat.

Roland Berger ist ein Künstler, den der differenzierte und gedankenvolle Umgang mit dem Material unverkennbar mit dieser Tradition verbindet. Nichtdestoweniger ist er sich in seiner Sache sicher genug, um aus deren Erfahrungen und Positionen seine eigenen Schlüsse zu ziehen – und er geht darin sehr weit, führt sie vielfach an ihre Grenzen: in der „klassischen“ Ponderation, der er seine ziemlich gewagte Vorliebe für das Unfeste und nie ganz negierenden Auffassung des Figürlichen, die erstaunlich weit in das Terrain einer vermeintlich der Malerei vorbehaltenen informellen Abstraktion vorstößt. Während die Dialektik zwischen Stein und Figur oft geradezu kämpferisch ausgetragen oder mit Erinnerung an die Antike verbunden wurde, scheinen sich Berger gestalterischer Zugriff und Gewährenlassen der Natur gleichberechtigt gegenüberzustehen.

© G. Slavi